Geschichte der SPD Fußgönheim Drucken E-Mail

Der Beginn 1901 bis 1946
  

Rückblick

2007 kann der SPD-Ortsverein Fußgönheim Rückschau auf sein hundertjähriges
Bestehen halten.

Das 20. Jahrhundert war wohl das schnellebigste seit Beginn der modernen Zeitrechnung, das einerseits große Erfolge andererseits auch schlimme Niederlagen gebracht hat.

Wenn wir heute Rückschau halten,so müssen wir erkennen, dass die Zeit auch ihre Spuren in den Aufzeichnungen unseres Ortsvereins hinterlassen hat.

Zwei Weltkriege, der gescheiterte Versuch der Errichtung einer ersten wirklichen Demokratie auf deutschem Boden in der Weimarer Republik, das Verbot der SPD im Dritten Reich, all dies hat zur Vernichtung unserer Unterlagen über die Jahre zwischen 1907 und 1946 geführt. Auch nach 1946 sind die Aufzeichnungen lückenhaft und mussten teilweise mühselig recherchiert werden. Trotz dieser Tatsache wollen wir versuchen, ihnen liebe Fußgönheimer Mitbürger/innen ein Stück unserer Vergangenheit und damit auch die Entwicklung Fußgönheims in den letzten 100 Jahren nahezubringen.

Bevor wir auf die Gründung des SPD Ortsverein Fußgönheim als örtliche Organisation der ältesten deutschen Partei eingehen, wollen wir zunächst auf die damalige politische
und wirtschaftliche Lage zurück blicken.

Gründung der SPD

Nach der von Wilhelm Liebknecht (Vater der „Ikone“ des Kommunismus Karl Liebknecht) und August Bebel forcierten Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschland
(SDAP) im Jahre 1869 existierten zwei konkurrierende Arbeiterparteien nebeneinander. Im Jahr 1875 erreichten Liebknecht und Bebel ihr lang ersehntes Ziel, den Zusammenschluss
der „feindlichen Brüder“ SDAP und ADAV zur sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), der späteren SPD in Gotha. Angesichts des permanent steigenden Einflusses der Sozialdemokratie holte Bismarck 1878 zum staatlichen Befreiungsschlag aus. Das Sozialistengesetz trat in Kraft. Der Aufstieg der Sozialdemokratie war aber nicht mehr aufzuhalten, sicherlich nicht zuletzt wegen der Unbeugsamkeit der beiden Parteiführer.
Von Wilhelm Liebknecht stammen auch die Worte „Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“.

Nach der Entlassung Bismarcks im Jahre 1890 hat Kaiser Wilhelm II persönlich die Regierungsgeschäfte übernommen. Sein Ziel war es, Deutschland am Wettbewerb der Weltmächte zu beteiligen. Die Industrie nahm, gefördert durch ein modernes Handelsrecht und ein einheitliches Maß-, Gewichts- und Währungssystem, einen ungemein schnellen Aufschwung.
Mit Einrichtungen, wie der staatlichen Kranken-, Invaliden- und Altersversicherung, sollten die schlimmsten sozialen Folgen der Industrialisierung in Grenzen gehalten werden, um eine Stärkung der Arbeiterbewegung und damit unabdingbar verbunden der SPD, zu verhindern. Um die Jahrhundertwende begannen sich die Ortsvereine der SPD in der Pfalz zu organisieren.

Gründung „Sozialdemokratischer Verein Dannstadt“

Am 17.11.1901 fanden sich in der Gastwirtschaft Ackermann in Dannstadt Bürger, fast ausschließlich Arbeiter der Gemeinden Dannstadt, Assenheim, Hochdorf und Fußgönheim zusammen und gründeten den „Sozialdemokratischen Verein Dannstadt und Umgebung“. Dieser, unter der Patenschaft der Mutterstadter Sozialdemokraten gegründete Verein, wuchs bis 1903 auf 84 Mitglieder an. Zu den Hauptinhalten der damaligen Parteiarbeit zählte vorrangig die Bekämpfung der heute nicht mehr vorstellbaren Not unter den Arbeiterfamilien.
Es ging meist um kleine Verbesserungen im täglichen Leben. Man nahm an Maifeiern teil, um dadurch Solidarität der Arbeitenden untereinander zu signalisieren. Dazu wurde 1907 von Maria Juchatz in Berlin die Arbeiterwohlfahrt gegründet, die sich bis heute um die Belange von sozial Schwachen kümmert, wenn auch die Belange heute andere sind als zur Jahrhundertwende und vor, während, nach den Weltkriegen. Neben der Arbeiterwohlfahrt entwickelten sich zahlreiche Organisationen, die der Sozialdemokratie nahestanden: die freien Gewerkschaften, Arbeiterjugendvereine, Konsumgenossenschaften, Arbeitersportvereine, Freizeitverbände, etwa Gesangvereine, Theatervereine. Der Sozialdemokratische
Verein Dannstadt entstand somit, wie viele andere Ortsvereine auch, in einer Phase des Optimismus und des Aufschwung für die SPD. All diese Organisationen betrachteten sich als im Gegensatz zum autoritär und obrigkeitsstaatlichen Denken des längst historisch überholten Kaiserreichs stehend; obwohl auch die Organisation der sozialdemokratischen Partei den Obrigkeitsstaat - wenn auch unter anderen Vorzeichen - selbst abbildete. Hatte nicht Bebel - halb ironisch - darauf hingewiesen, dass die SPD als Organisation die beste Vorschule für das deutsche Militär sei?
Die Mitgliedschaft in der SPD, die für Arbeitslose und Kranke kostenfrei war, barg immer das Risiko des Arbeitsplatzverlustes. Gesetze zum Schutz des Arbeitnehmers, wie sie
heute hauptsächlich auf Grund von Initiativen der SPD bestehen, waren unbekannt.
Die Presse verweigerte sich der Partei, so daß die Mund zu Mund Propaganda einziges Mittel der Kommunikation war.
Wie Arbeiter die Zeit damals gesehen haben, läßt sich einem Zitat aus einer Parteiversammlung von 1907 entnehmen, in der gesagt wurde: „Die Partei geht schweren Zeiten entgegen.
Die Fraktion der Raubritter und Wegelagerer will mit Gewalt die moderne Arbeiterbewegung niederknüppeln. Unser Wahlruf muss sein, vorwärts, dem Lenz entgegen“.

Gründung SPD Ortsverein Fußgönheim

Als am 11.08.1907 fünf neue Mitglieder, alle aus Fußgönheim, für den Verein gewonnen werden konnten, initiierte der damalige Vorsitzende Johann Becker die Verselbständigung der Fußgönheimer Genossen. Am 01.10.1907 wurde die Gründung des SPD-Ortsverein Fußgönheim mit einem gespendeten Kapital von 5,-- Mark durchgeführt, und mit Georg Busch hatte dieser Verein seinen ersten Vorsitzenden.
1911 begann auch für Fußgönheim die Neuzeit und es wurde begonnen das Dorf mit elektrischem Licht zu versorgen.
Am 30.08.1913 wurde die Rhein- Haardt-Bahn Bad Dürkheim-Ludwigshafen in Betrieb genommen. Für viele Arbeitnehmer, auch aus Fußgönheim, verkürzte sich der Weg von und zur Arbeit beträchtlich. Vorher mussten viele nach Dannstadt zur Lokalbahn laufen um zur Arbeit fahren zu können.
1934 wurde die Fußgönheimer BASF Siedlung, heute Maxdorf Süd, auf Fußgönheimer Gelände gebaut. Im Vorfeld gab es heftige Diskussionen um den Standort. Ursprünglich war ein Gebiet etwa westlich der heutigen Schillerschule vorgesehen, welches aber zu wertvolles Ackerland war, um als Bauland ausgewiesen zu werden. Eine Chance vertan, was bekanntlich erst später zum tragen kam. 1937 war die Grundsteinlegung für das BASF Feierabendhaus in der Siedlung.
Vom Datum der Gründung bis 1946 existieren kaum Unterlagen, was durch die eingangs erwähnten Fakten zu erklären ist. Wir wissen aber, dass viele, auch SPD-Mitglieder, dem Zwang folgend zur NSDAP tendierten, oder aus anderen Gründen in diese Partei eintreten mussten (Wahlen 1932 in Fußgönheim 72% NSDAP). Dadurch konnten sich verschiedene „Mitglieder“ sehr um das Gemeinwohl der Gemeinde Fußgönheim kümmern, was sich besonders 1941 bei der Unterstützung des Sportvereins mit der Hallenübernahme durch die Gemeinde niederschlug. Diese Halle wurde während des 2. Weltkrieges als Gefangenenlager sowie für militärische Zwecke benutzt. Nach Kriegsende, von der franz. Besatzungsmacht beschlagnahmt, weckentfremdet und obendrein schwer beschädigt, konnte sie danach nicht für den eigentlichen Zweck, genutzt werden.
Erst 1950 wurde die Halle durch den selbstlosen Einsatz des damaligen ASV Vorsitzenden Ernst Schütz, unter tatkräftiger Mithilfe vieler Vereinsmitglieder, darunter auch SPD-Mitglieder, renoviert und ihrem eigentlichen Zweck, der sportlichen und geselligen Nutzung durch den ASV und die Dorfgemeinschaft, zugeführt.

LAST_UPDATED2